Das Haar, die Erscheinungsfarben und die genetischen Voraussetzungen

der Farbvererbung 

 

 von: Manfed Ottenburg-Weise

Die Haare und das Fellmuster

Jedes Individuum entwickelt sein eigenes Haarkleid. Dennoch gibt es bei den Säugetieren oder speziell bei den uns hier interessierenden Hunden vergleichbare Kriterien. Es werden folgende Haararten unterschieden:

1. Deck- oder Fellhaare:

Das sind kürzere oder längere, eventuell gewellte oder gekräuselte Haare mit grobem Mark.

Es gibt zwei Formen:

a. Leithaare (Haupthaare), die kürzer und nicht gewellt sind, und

b. Grannenhaare (Nebenhaare), die zahlenmäßig im Vordergrund stehen, länger und vor der Haarspitze spindelförmig verdickt sind.

2. Flaum- oder Wollhaare (Beihaare)

Es sind kürzere oder längere, meist sehr feine Haare, die mehr oder weniger stark gewellt sind. Im Winter sind sie dichter als im Sommer.

3. Die dritte Form bei den Hunden sind die Tasthaare (Sinushaare)

Die Wurzeln (und Wurzelscheiden) der Tasthaare liegen in einem gekämmerten, blutgefüllten Säckchen, dem Sinus, dessen Wände mit sensiblen Nervengeflechten versehen sind. Sie kommen am Kopf vor, besonders im Mund-, Nasen- und Augenbrauenbereich. Auch die Wimpern gehören dazu. Alle Haartypen bestehen aus dem Haarschaft und der Haarwurzel und sind schief in die Haut eingepflanzt. Dadurch ergibt sich der Haarstrom oder Haarstrich. Im Querschnitt setzen sich die Haare aus dem Haarmark, der Haarrinde und dem Haaroberhäutchen zusammen. Sie treten im Gegensatz zum menschlichen Haar immer büschelweise aus dem Haarbalgtrichter hervor. Ein Haarbüschel besteht normalerweise beim erwachsenen Hund aus einem Leithaar, zwei Grannenhaaren und sechs bis zwölf weniger kräftigen Wollhaaren, die sich kranzförmig um die Deckhaar anordnen. Beim Afghanen sind es sehr viel mehr. Beim neugeborenen Afghanen zeigt sich am ganzen Körper eine Behaarung aus Leithaaren. Mit rund zwei Monaten beginnt sich das Fell deutlich zu entwickeln. Drei bis fünf Beihaare werden sichtbar und geben dem Fell ein wolliges Aussehen. Mit sechs Monaten können es schon fünfzehn sein. Sie wachsen insgesamt langsamer als das Deckhaar. Das Haar wächst in Phasen, zeitweilig ruhen die Wurzeln. Beim jahreszeitlich oder läufigkeitsbedingten Haarwechsel erscheint weicheres Beihaar am ganzen Körper und kann auch an den kurzhaarigen Partien, z. B. dem Sattel oder der Schnauze sichtbar werden. Es wird normalerweise aber bald locker und läßt sich ausbürsten oder auszupfen. Die Deckhaare sind vorrangig die Träger der Fellfarbe, während die Beihaare blasser und meist heller sind. Das wird beim Afghanen an den von Wolle nicht durchwachsenen Stellen, im Vorgesicht, den Halsseiten, am Sattel, der Schwanzoberseite und gegebenenfalls an den Fesseln deutlich sichtbar. Vor der Geburt wirft die trächtige Hündin am Bauch die Haare um das Gesäuge herum mehr oder weniger stark ab. Sie wachsen erst nach dem Abstillen wieder nach. Das geschieht auch bei vielen Hündinnen während der Scheinträchtigkeit. Als Besonderheit sei auf das sporadische Auftreten von kurzhaarigen Afghanischen Windhunden hingewiesen, deren Fell auf allen Körperteilen gleichmäßig kurz ist.

 

 

 

Die Fortsetzung finden Sie hier 

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